- geboren im September 1945 in Berlin -

 

- aufgewachsen auf dem Wedding der 1950er-Jahre -

 

 1960-63 Au Pair in VästerNorrland/Schweden

 

1963-66 Ausbildung zur Goldschmiedin an der Goldschmiedeschule Pforzheim

 

- danach langjährige Tätigkeit in verschiedenen Betrieben der Pforzheimer Schmuckindustrie -


Mit den sich immer rascher ansammelnden Lebensjahren ist meist der Wunsch verbunden, noch einmal in die eigene Kinderzeit einzutauchen -  Rückschau zu halten auf eine Zeit, in der man nichts wusste von der Welt und ihren Gesetzen und Ordnungen - einer unbeschwerten Zeit, in der die eigenen kleinen Wege zum            Kosmos wurden und in der alles möglich war, das sich ein kleiner Mensch erdenken konnte.

Nun war das Berlin der Nachkriegsjahre gewiss kein idealer Ort für Kinderspiele, das Stadtbild war geprägt von Ruinen und Trümmern - Wohnungsnot, Mangel und die harte Arbeit des Wiederaufbaus verlangten von der Generation unserer Eltern und Grosseltern das äusserste an Kraft und Durchhaltevermögen - so blieb meist wenig Zeit für uns und wir Kinder suchten draussen auf Strassen und Plätzen, in düsteren Hinterhöfen und auf überwachsenen Trümmergrundstücken unsere eigenen kleinen Phantasiewelten.



Und wenn ich heute so meine Figuren und Objekte betrachte, wird mir immer klarer, dass all diese Wesen  schon vor sehr, sehr langer Zeit entstanden sind - all diese verdrehten Kreaturen und Szenen entstammen in ihrem Ursprung der kindlichen Phantasie, die sich über alle Grenzen von Kargheit hinwegsetzt und einfach nur die eigene Welt erschafft.

Vögel mit Höhenangst, schüchterne Walküren, gruselig-freundliche Insekten, verwirrte Opernsänger und Trapezkünstler an Teppichstangen sind die Gefährten meiner Kinderjahre - und ich wünsche mir, dass mir ihre geschätzte Gesellschaft noch viele Jahre erhalten bleibt.


 

KÄSEECKENKIND

 

Das Kind - siehst Du`s laufen ?

Spielt nicht Verstecken, will sich was kaufen -

 

kein Süßzeug, nicht Brause, vom Käse zwei Ecken -

die Groschen vom Vater - bummelnd durch Höfe, glücklich nach Hause.

 

Vielleicht wieder morgen - schwere Schuhe im Flur -

Vater - `nen Groschen - ich frag`doch nur !

 

 copyright 2011 by atelier morlock-art

 


Aktuell beschäftige ich mich sehr intensiv mit der fotografischen Arbeit von Heinrich Zille (1858-1929)

Als gnadenloser Chronist seiner Zeit hat er neben seinem zeichnerischen Werk eine fotografische Dokumentation des "Alten Berlin der Arbeiter und Handwerker" von erschütternder Intensität hinterlassen.

Ich suche in diesen verblichenen Zeitdokumenten die Lebens- und Arbeitswelt meiner Grosseltern in dieser damals aufstrebenden Metropole, in der die Kontraste zwischen Licht und Schatten kaum grösser sein konnten.

Und obwohl rein rechnerisch ein halbes Jahrhundert zwischen der Kaiserzeit und den 1950er-Jahren liegt, sehe ich ganz persönlich manche Parallele zwischen den beiden Epochen - viele der von ihm mit der Kamera festgehaltenen Strassen und Plätze habe ich als Kind noch genauso gesehen und erlebt - und seine Protagonisten stehen als schattenhafte Gestalten vermutlich noch heute dort.

 

Bildquelle:  HEINRICH ZILLE  -  DAS ALTE BERLIN - FOTOGRAFIEN 1890-1910